Posturologie –
wie Augen, Kiefer, Becken und Füße zusammenhängen
Manche Beschwerden kommen immer wieder. Der Nacken verspannt sich, der Rücken schmerzt, der Kiefer fühlt sich fest an oder nachts werden die Zähne zusammengepresst. Oft wird dann genau dort behandelt, wo der Schmerz spürbar ist. Doch der Körper funktioniert nicht in einzelnen Abschnitten. Füße, Becken, Wirbelsäule, Kiefer, Augen, Muskulatur und Nervensystem arbeiten ständig zusammen.
Gerät ein Bereich aus dem Gleichgewicht, kann sich das auf ganz andere Körperregionen auswirken. In meiner Praxis betrachte ich deshalb nicht nur den Schmerzort, sondern das gesamte Haltungssystem. Die zentrale Frage lautet: Wo muss der Körper kompensieren – und warum?
Wenn Beschwerden immer wiederkehren
Viele Menschen kennen das Gefühl, dass „irgendetwas nicht stimmt“, obwohl einzelne Untersuchungen keine klare Ursache zeigen. Die Beschwerden sind real, aber der Auslöser liegt nicht immer dort, wo der Schmerz wahrgenommen wird.
Eine posturologische Betrachtung kann sinnvoll sein bei:
- Nackenverspannungen und Rückenschmerzen
- Kopfschmerzen oder Migräne
- Kiefergelenksbeschwerden, CMD, Zähneknirschen oder Zähnepressen
- Schwindel, Unsicherheitsgefühl oder Gleichgewichtsproblemen
- muskulären Dysbalancen und wiederkehrenden Spannungsmustern
- Beckenschiefstand oder ISG-Beschwerden
- Hüft-und Kniebeschwerden
- Fußfehlstellungen wie Senkfuß, Spreizfuß, Hohlfuß oder Knickfuß
Dabei geht es nicht darum, Symptome isoliert zu betrachten. Entscheidend ist das Zusammenspiel des gesamten Haltungssystems.
Was ist Posturologie?
Die Posturologie beschäftigt sich mit der Haltung des Menschen und der Frage, wie unser Körper dauerhaft im Gleichgewicht bleibt. Der Begriff setzt sich aus dem lateinischen Wort „Postura“ (Haltung) und dem griechischen Wort „Logos“ (Lehre oder Wissenschaft) zusammen. Wörtlich bedeutet Posturologie also „die Lehre von der Körperhaltung“.
Dabei wird der Mensch als funktionelle Einheit betrachtet. Füße, Wirbelsäule, Becken, Kiefer, Augen und das Nervensystem stehen ständig miteinander in Verbindung. Veränderungen in einem Bereich können Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. Unser Nervensystem verarbeitet fortlaufend Informationen aus den Füßen, den Augen, dem Kiefergelenk, dem Gleichgewichtssystem, der Wirbelsäule, der Muskulatur sowie aus alten Verletzungen oder Narben. Aus diesen Informationen entsteht ein Haltungsprogramm. Werden die Signale harmonisch verarbeitet, kann sich der Körper stabil und ökonomisch ausrichten. Muss er jedoch dauerhaft ausgleichen, können Spannungsmuster und Beschwerden entstehen.
Warum der Schmerz nicht immer dort entsteht, wo er spürbar ist
In der Posturologie unterscheidet man aufsteigende und absteigende Funktionsketten. Eine aufsteigende Funktionskette kann zum Beispiel an den Füßen beginnen. Eine veränderte Fußstatik wirkt dann über Knie, Becken und Wirbelsäule bis zur Kopfhaltung. Der Kopf versucht dabei, die Augen möglichst waagerecht auszurichten – wodurch Nacken und Kiefer zusätzlich unter Spannung geraten können.
Eine absteigende Funktionskette kann dagegen im Kiefer oder im visuellen System beginnen. Wenn Ober- und Unterkiefer nicht harmonisch zusammenarbeiten oder die Augen dauerhaft kompensieren müssen, kann dies die Kopfhaltung, den Schultergürtel, das Becken und sogar die Statik der Füße beeinflussen.
Das erklärt, warum Beschwerden manchmal an einer ganz anderen Stelle entstehen, als man zunächst vermuten würde.
Warum Zähneknirschen nicht immer nur Stress ist
Stress spielt beim Zähneknirschen häufig eine wichtige Rolle. Aus posturologischer Sicht ist er jedoch nicht immer die einzige Ursache. Wenn der Körper Haltungsinstabilitäten oder Fehlspannungen ausgleichen muss, kann das Kausystem stärker belastet werden. Der Kiefer arbeitet dann unbewusst mit, um Spannung zu regulieren.
Deshalb können bei Bruxismus auch Fußstatik, Beckenschiefstand, Fehlhaltungen der Wirbelsäule, muskuläre Dysbalancen, alte Verletzungen, Narben, visuelle Belastungen oder ein Fehlbiss eine Rolle spielen. Genau deshalb lohnt sich bei CMD oder Zähneknirschen oft ein Blick über den Kiefer hinaus.
Die wichtigsten Einflussbereiche: Augen, Kiefer, Becken, Füße und Nervensystem
Die Augen spielen eine wichtige Rolle für die Haltungsregulation. Der Körper richtet sich stark danach aus, wie das visuelle System Informationen verarbeitet. Schon kleine Störungen in der Augenkoordination können dazu führen, dass Muskelspannung, Gleichgewicht, Kopfhaltung und Kiefer beeinflusst werden.
Auch der Kiefer ist eng mit der Nackenmuskulatur, der Kopfhaltung und dem gesamten Körper verbunden. Veränderungen im Biss, Verspannungen der Kaumuskulatur oder CMD-Beschwerden können Auswirkungen auf andere Körperbereiche haben. Umgekehrt kann eine instabile Haltung den Kiefer belasten.
Das Becken verbindet Oberkörper und Beine. Kleine Fehlstellungen oder Bewegungseinschränkungen können sich auf Wirbelsäule, Muskulatur und Gleichgewicht auswirken. Die Füße bilden dabei das Fundament. Über sie nimmt das Nervensystem Informationen über Druck, Belastung und Stabilität auf. Eine veränderte Fußstatik kann daher bis in Becken, Wirbelsäule, Nacken und Kiefer wirken.
So läuft die posturologische Untersuchung in meiner Praxis ab
In meiner Praxis wird der Körper nicht isoliert betrachtet. Ich nehme mir Zeit, funktionelle Zusammenhänge sichtbar zu machen und mögliche Kompensationsmuster zu erkennen.
Dabei schaue ich unter anderem:
- Wie steht der Mensch?
- Wie werden die Füße belastet?
- Gibt es Asymmetrien oder Hinweise auf eine veränderte Fußstatik?
- Wie arbeiten Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Zahnstellung?
- Wie reagieren Becken, Wirbelsäule und Muskulatur?
- Welche Rolle spielen Augen, Gleichgewicht und visuelle Verarbeitung?
- Gibt es Narben oder alte Verletzungen, die das System beeinflussen können?
Ein wichtiger Bestandteil ist die Analyse der Fußstatik mit dem Podoskop.Damit lassen sich Fußform, Fußgewölbe, Druckverteilung, Belastungsasymmetrien und Hinweise auf Senkfuß, Spreizfuß, Hohlfuß oder Knickfuß sichtbar machen. Ergänzend können funktionelle Tests im Stand, im Gehen oder in der Bewegung erfolgen.
Auch Augen, Becken, Wirbelsäule und Kiefer werden funktionell einbezogen. Dabei geht es nicht um eine isolierte Diagnose einzelner Bereiche, sondern um das Verständnis der Gesamtstatik und der Wechselwirkungen im Körper.
Therapie mit sensomotorischen Sohlen nach Dr. Bricot
Im Rahmen der Behandlung arbeite ich unter anderem mit sensomotorischen Sohlen nach Dr. Bricot. Diese Sohlen unterscheiden sich von klassischen orthopädischen Einlagen. Sie dienen nicht in erster Linie der mechanischen Stützung des Fußes, sondern setzen gezielte Reize an bestimmten Bereichen der Fußsohle, unter anderem über galvanische Elemente.
Über diese feinen Impulse erhält das Nervensystem neue Informationen. Ziel ist es, das Zusammenspiel von Muskulatur, Gleichgewicht und Körperhaltung positiv zu beeinflussen. Die Sohlen werden individuell angepasst und können den Körper dabei unterstützen, Fehlspannungen und kompensatorische Haltungsmuster zu reduzieren.
Ziel der posturologischen Arbeit
Das Ziel der posturologischen Arbeit ist nicht, nur ein einzelnes Symptom zu behandeln. Vielmehr soll verstanden werden, wie der Körper kompensiert und welche Bereiche das Haltungssystem beeinflussen.Im Mittelpunkt steht die Frage: Was braucht der Körper, um wieder stabiler, entspannter und ökonomischer arbeiten zu können? Durch eine genaue Untersuchung und individuell angepasste Impulse kann das Haltungssystem unterstützt werden, sich neu zu regulieren.
Persönliche Beratung in meiner Praxis
In meiner Praxis nehme ich mir Zeit, Ihre Beschwerden nicht isoliert, sondern im Zusammenhang des gesamten Körpers zu betrachten. Vereinbaren Sie gerne einen Termin. Gemeinsam schauen wir, ob eine posturologische Untersuchung für Ihre Beschwerden sinnvoll sein kann.
Häufige Fragen zur Posturologie
Was ist Posturologie einfach erklärt?
Posturologie beschäftigt sich mit der Körperhaltung und der Frage, wie der Körper sein Gleichgewicht organisiert. Dabei werden unter anderem Füße, Augen, Kiefer, Becken, Wirbelsäule, Muskulatur und Nervensystem gemeinsam betrachtet.
Kann eine Fußfehlstellung Kieferprobleme verursachen?
Eine veränderte Fußstatik kann die Haltung beeinflussen. Dadurch können sich Becken, Wirbelsäule, Kopfhaltung und Muskelspannung verändern. In manchen Fällen kann dies auch Auswirkungen auf den Kieferbereich und die Augen haben.
Was hat Zähneknirschen mit der Körperhaltung zu tun?
Zähneknirschen wird häufig mit Stress verbunden. Es kann aber auch mit muskulären Spannungen, Fehlhaltungen, CMD oder Haltungsinstabilitäten zusammenhängen. Deshalb betrachte ich in meiner Praxis nicht nur den Kiefer, sondern den gesamten Körper.
Was sind sensomotorische Sohlen?
Sensomotorische Sohlen setzen gezielte Reize an der Fußsohle. Sie sollen das Nervensystem informieren und die Haltungsregulation unterstützen. Anders als klassische Einlagen dienen sie nicht vor allem der Stützung, sondern der funktionellen Reizsetzung.
Ersetzt die Posturologie den Arzt oder Zahnarzt?
Nein. Medizinisch notwendige Abklärungen sollten weiterhin ärztlich oder zahnärztlich erfolgen. Die Posturologie kann ergänzend helfen, funktionelle Zusammenhänge im Haltungssystem zu erkennen.
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